Der Aufstand der Meerschweinchen

die Hufe weghaut. Äh, ich meine natürlich, die sich gewaschen hat.‚. „Du willst den Seppel bestrafen?‚, fragte. Knöpfchen vorsichtig. „Aber dann wird er mich nie ...
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Angela Ch. Ehrke

Der Aufstand der Meerschweinchen und UTZI. Die große Reise eines kleinen Waschbären

Kinderbuch

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© 2016 AAVAA Verlag Alle Rechte vorbehalten 1. Auflage 2016 Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag Coverbild: Angela Ch. Ehrke Printed in Germany Taschenbuch: Großdruck: eBook epub: eBook PDF: Sonderdruck

ISBN 978-3-8459-2084-9 ISBN 978-3-8459-2085-6 ISBN 978-3-8459-2086-3 ISBN 978-3-8459-2087-0 Mini-Buch ohne ISBN

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Der Aufstand der Meerschweinchen

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Inhalt: Knöpfchen Helfer in der Not Pastor Lindenbaums Scheune Die große Beratung In Itzenbüttchen ist der Teufel los Unter der großen Birke Der schlaue Plan des Pferdes Eine unheimliche Nacht Fragen über Fragen Der Geheimplan der Kinder Meerschweinchen im Glück

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Knöpfchen

Knöpfchen war ein niedliches Meerschweinchen mit ganz braunem Fell, das nur am Bäuchlein honiggelb schimmerte. Allein wegen seiner lustigen Knopfaugen, hatte es vom kleinen Seppel diesen ganz besonderen Namen bekommen. Doch diese Äugelein schauten schon lange nicht mehr lustig, denn das kleine Knöpfchen saß gerade ganz bekümmert da und seufzte herzerweichend. – Und dann seufzte es gleich noch einmal: „Was ist das nur für ein trauriges Leben? Niemand hat mich lieb, niemand spielt mit mir. Ich bin ja so einsam. Ach, ich armes, unglückliches, verlassenes Meerschweinchen.‚ Und schon fing es zu weinen an. Doch keiner kam, um es zu trösten, niemand nahm es auf den Arm und streichelte es. Da6

bei hatte doch alles so schön begonnen. Knöpfchen erinnerte sich noch ganz genau. Wie glücklich der kleine blonde Junge doch war, als er das süße Meerschweinchen zum ersten Mal sah. Da wurde sogleich geschmust, gespielt und herumgetollt. Eine Freundschaft für immer und ewig, für ein ganzes langes Leben sollte es werden. Seppel nahm das kleine Knöpfchen anfangs immer mit, denn bei seinen Freunden gab es viele Artgenossen, mit denen es spielen konnte. So lernte es Flocke kennen, ein braungelocktes Dingelchen mit einem hellen Tupfen auf der Stirn. Und den frechen Otto mit seinem schneeweißen Fell und den roten Augen, die wie Rubine leuchteten. Am liebsten aber mochte Knöpfchen den Wusel, weil der immer zu Späße aufgelegt war. Dann war da noch Tamtam, ein kunterbuntes Rosettenmeerschweinchen. Ach ja, Muff nicht zu vergessen. Dieses Schweinchen hatte so unglaublich lange Zotteln, dass niemand so recht 7

wusste, wo bei ihm nun vorn und wo hinten war. Knöpfchen sah es noch genau vor sich, wie sie alle auf einer duftenden Wiese herumtollten und an saftigen Kräutern knabberten. Und die vielen Spiele, die sich die Kinder immer ausdachten. Bei dieser Vorstellung musste unser kleines Meerschweinchen vor Freude laut quieken. Doch als es sich gleich darauf versonnen umschaute, verging ihm die Freude schnell wieder. Der Käfig war klein und stand in einer ziemlich dunklen Ecke des Kinderzimmers. Alles sah recht unordentlich aus, denn Seppel hatte wieder einmal nicht aufgeräumt. Kein Laut war zu vernehmen, weil, wie immer am Vormittag, niemand im Haus weilte. Wenn sie dann endlich kamen, waren die Erwachsenen oft müde. Seppel schlang immer ganz schnell sein Essen hinunter, weil seine Freunde bereits ungeduldig auf ihn warteten. Abends saß die ganze Familie oft vor diesem komischen Kasten. Nicht selten kam Besuch 8

oder sie gingen noch einmal aus. Da blieb einfach keine Zeit für ein Meerschweinchen. Zeit schien Seppel überhaupt nicht mehr zu haben. Seitdem er zur Schule ging, hatte er seine kleine Freundin beinahe vergessen. Immer war er in Eile, musste ständig irgendwohin. Oft vergaß er sogar das Futter zu bringen. Nur gut, dass die großen Leute dann einsprangen. Knöpfchen wäre sonst sicher längst verhungert. Von Leckerbissen wagte das kleine Meerschweinchen ohnehin nur noch zu träumen. Bekam es ab und zu mal eine Möhre, konnte es schon froh sein. Und immer dieses alte trockene Heu. Dabei gab es doch so himmlische Leckereien, damit hatte Seppel seine kleine Freundin früher immer verwöhnt. Mit knackigen Salaten, Äpfelchen, Birnen und Kirschen. Petersilie mochte Knöpfchen auch gern. Wie Gurken und Tomaten schmecken, konnte es sich schon gar nicht mehr vorstellen. Von einer süßen Melone ganz zu schweigen. 9

Als der Winter kam, hatte Knöpfchen ein wenig Hoffnung geschöpft, denn draußen war es kalt und nass geworden. – Aber vergeblich. Seppel blieb jetzt zwar immer öfter im Haus, doch seine Eltern hatten da so ein komisches Ding in sein Zimmer gestellt, damit spielte er nun unentwegt. Oft kamen seine Freunde hinzu, dann machten sie einen Riesenkrach. Niemand beachtete das kleine Knöpfchen, dass inzwischen schon ganz krank war vor Sehnsucht, auch weil es seine Artgenossen so sehr vermisste. Das Meerschweinchen seufzte wieder. Dann machte es plötzlich ein paar Luftsprünge, um sich etwas abzureagieren. Außerdem musste es sich hin und wieder ein wenig bewegen, damit es nicht ganz steif wurde. Danach saß es lange ganz still und lauschte. Im Haus war immer noch alles ruhig. Von draußen drang das fröhliche Gezwitscher der Vögel herein. Da wünschte sich Knöpfchen, ein Vogel zu sein und weit wegzufliegen. Bei 10

diesem Gedanken wollte es schon wieder zu weinen anfangen. Doch da merkte es, wie es wütend wurde. Es wurde so wütend, dass es glaubte, gleich zerspringen zu müssen. „Schuss! Aus!‚, rief es laut. „So darf es nicht weitergehen. Nein, das werde ich nicht mehr dulden! – Ich will ein glückliches Meerschweinchenleben! Und dafür werde ich jetzt kämpfen! Jawohl!‚ „Was ist den hier los? Warum quiekst du, als hätte man dir deine alte verschrumpelte Möhre geklaut?‚, wieherte es da. Und schon schob sich der dicke Kopf eines Pferdes zum Fenster hinein. „Du musst mir unbedingt helfen!‚, rief Knöpfchen ganz aufgeregt. „Ich will einen Aufstand machen.‚ „Mo.…, Moment mal‚, stotterte das Pferd. „Ich habe Aufstand verstanden. Kannst du das noch einmal wiederholen?‚ Das Meerschweinchen fuhr sich aufgeregt mit beiden Pfoten über die Öhrchen. „Du hast richtig verstanden‚, sagte es schnell. „Willst 11

du bei dieser Sache mein Ratgeber sein? Schließlich hast du einen großen Pferdeverstand.‚ Das braune, schon etwas betagte, aber sehr gutmütige Pferd wieherte los, dass die Fensterscheiben zu klirren begannen: „Ha, ha, ha. Das glaube ich jetzt nicht! Das meinst du doch nicht etwa so, wie es sich anhört hat? Was für einen Aufstand willst du denn anzetteln, du kleines Ding? Soll man dir deine Möhre in Zukunft raspeln? Oder forderst du mehr Heu für alle?‚ „Spotte nicht‚, sagte Knöpfchen mit trauriger Stimme. „Mir ist es Ernst. So kann es einfach nicht weitergehen. Wenn du ein wenig Zeit hast, erkläre ich es dir.‚ Der Gaul scharrte verlegen mit dem rechten Vorderhuf. „Bevor du zu heulen anfängst, höre ich dir natürlich zu. Und helfe werde ich dir auch, sollte es wirklich wichtig sein.‚ „Das ist es!‚, rief Knöpfchen. „Lebenswichtig.‚ 12

Das Pferd schob seinen Kopf noch weiter vor. „Na, wenn es so ist, dann fang mal an. Ich höre.‚ Als sich das Meerschweinchen ein wenig später alles vom Herzen geredet hatte, wiegte das Pferd lange den Kopf hin und her, während es zwischendurch immer wieder durch die Nüster geschnaubt hatte. „Kann dein Pferdeverstand nicht etwas schneller denken?‚ wollte Knöpfchen gerade zaghaft fragen, als der Gaul plötzlich loslegte: „Das hätte ich dem Seppel nie und nimmer zugetraut! Dich so zu behandeln!‚ Wütend schnappte er nach einem der Vorhänge und riss ihn herunter. „Da sitzt du also hier wie im Gefängnis, bei Wasser und Brot.‚ „Wenn es nur so wäre‚, warf das Meerschweinchen leise ein. „Ein hartes Stück Brot habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Dabei müssen sich doch meine Nagezähne abnutzen, sonst werden sie zu lang und ich kann nicht mehr fressen.‚ 13

„Es reicht!‚, wieherte der Gaul. „Ich habe verstanden. Wir machen den Aufstand!‚ „Heißt das ...?‚ „Ja, ich bin dabei. Und ich sage dir, wir werden dem Seppel eine Lektion erteilen, die ihm die Hufe weghaut. Äh, ich meine natürlich, die sich gewaschen hat.‚ „Du willst den Seppel bestrafen?‚, fragte Knöpfchen vorsichtig. „Aber dann wird er mich nie mehr liebhaben.‚ Das Pferd rollte mit den Augen. „Im Gegenteil. Wenn er erkennt, wie schlecht er dich behandelt hat, wird er sich schämen. Und dann wird er alles wiedergutmachen.‚ „Bist du sicher?‚ Knöpfchen schüttelte zweifelnd den Kopf. „Und wie wollen wir ihn strafen?‚ „Tja‚, sagte der Gaul, und dann dachte er wieder lange, lange nach. Knöpfchen schaute ihm beim Denken zu, bis es gähnen musste. Da wieherte der Gaul unerwartet los: „Das ist alles nicht so einfach. In meinem Kopf geht schon alles durcheinander. 14

Außerdem stehe ich mir hier langsam die Beine in den Bauch, und den Schwanz müsste ich auch mal heben.‚ „Bloß nicht hier vorm Fenster‚, rief das Meerschweinchen erschrocken. „Das gibt Ärger.‚ „Schon gut‚, empörte sich das Pferd. „Ich weiß doch, was sich gehört und gehe die Wiese düngen. Danach trotte ich gleich in meinen Stall, um für den Rest des Tages ganz in Ruhe nachzudenken. Schließlich lässt sich ein Aufstand nicht so einfach aus dem Schädel schütteln. Morgen, wenn deine Leute weg sind, bin ich wieder hier, und dann machen wir Hufnägel mit Köpfen.‚ „Du meinst, du hast dann einen Plan?‚, fragte Knöpfchen zaghaft. „Aber ja!‚, rief das Pferd locker. „Morgen bringen wir die Kutsche ins Rollen. Da geht die Post ab.‚ „Na, da bin ich ja mal gespannt‚, rief Knöpfchen voller Hoffnung. „Und vielen Dank, dass du mir helfen willst.‚ 15